Sky Running World Champs – Mont Blanc Marathon 2014

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Zusammen mit dem Überflieger Kilian Jornet an einer Startlinie


Vor weniger als zwei Wochen bin ich noch einen Berg-Marathon in meiner Heimat gelaufen. Zugegeben, ganz ein Marathon war es nicht, denn Strecke beim Pummpälz-Marathon war ca. 2km länger und hatte ca. 1100hm zu überwinden. Nach meinen Examen an der Universität Kassel, erschien mir die Belastung genau richtig um wieder ins "Laufgeschäft" einzusteigen. Also war es ein 110%-iger Formtest, den ich auch gut bestanden hatte. Doch wäre ich sicherlich nicht Anschlag gelaufen, wenn ich bis dahin gewusst hätte, dass ich zwei Wochen später bei der Sky Running WM in Chamonix, Frankreich neben Kilian Jornet an der Startlinie stehen würde - in einem 44km langen Sky Race mit 2500hm rund um das Bergdorf. Alle Aufregung vor meiner ersten WM half mir darüber hinweg, nicht optimal vorbereitet gewesen zu sein. Und so fing ich davon zu träumen und Bilder zu malen.

Skizze der Weltmeisterschafts-Strecke

Bis dato kannte ich nur Videos vom Sky Running. Klar war, es geht steil bergauf, durchaus bei jedem Wetter und mit Pflichtausrüstung. Nicht klar war, was das jetzt genau bedeutete. Den Marathon hatte ich gut verkraftet, das Training bis zur WM nett gestaltet, doch Chamonix ist nicht Kassel. Das durfte ich auch bei Ankunft gleich erfahren. Nachdem ich mit meiner Familie in Chamonix gelandet war, erkundeten wir kurz die Gegend. Vom Marktplatz sind wir gleich in Richtung Vertical KM gelaufen, da wo heute Abend alle Verrückten japsend nach oben wollen. Einige unter ihnen sind erst ein paar Stunden zuvor von dem 80km Ultra Trail ins Ziel eingekehrt, wie z.B. Emilie Formberg. Nachdem wir wieder auf den Marktplatz zurückgekehrt waren, trafen die ersten Ultras ein. Sieger Luis Alberto Hernando machte einen sichtlich erschöpften Eindruck, den ihm aber bei knapp 30° auch keiner übel nahm. Über dem WM Titel konnte er sich wenige Augenblicke später trotzdem freuen. Große Hoffnung lag auf dem deutschen Philipp Reiter, ein junges Lauftalent aus Bad Reichenhall, dessen große Leidenschaft die Berge sind. Er triumphierte auf Platz 5.

Den nächsten Tag verbrachte ich aufgeregt mit meiner Familie auf den Berggipfeln um Chamonix. Zwischen Gletscher und Bergbahn zeichnet sich dort wahnsinnig schöne Landschaft. Wer in der Nähe ist, sollte sich ruhig ein paar Tage Zeit nehmen und einfach raus in die Natur. Egal wo man hinschaut, dass ist Landschaft der Superlative. Wenngleich es auch erschreckend ist, wie schnell sich z.B. die dortigen Gletscherlandschaften über die letzten Jahre zurückgebildet haben. 

Der nächste Tag stand unter dem Motto Skyrunning. In der Nacht von Samstag auf Sonntag begann es fürchterlich an zu regnen. Die Temperatur ist extrem abgefallen. Die Gefahr von Schlammlawinen stieg. Das bedeutete für alle Marathonis, dass die Strecke kurzerhand umgeplant wurde. Nachdem das Ziel zuerst auf dem Berg sein sollte, knappe 1000hm über Chamonix, wurde ein Aufstieg über 2500m gekürzt, dafür aber das Ziel in den Ortskern von Chamonix gelegt. Zuerst ärgerte es mich ein wenig, nicht den originalen Kurs rennen zu dürfen. Später bedeutete das aber für noch die Chance der Aufholjagd. Das Rennen selber verging wie im Flug. Keine Ahnung an welcher Position liegend ich unterwegs war, lief ich mein Tempo. Die Aufstiege und vor allem die Kälte in den Höhenlagen um die 2000m machten mir zu schaffen. Aber in den Downhillparts ging es ab. Da wurde ich schneller und trittsicherer. Das Tempo nahm zu und ab der letzten Verpflegungsstation (ursprüngliches Ziel) hieß es auf ca. 4km nochmal 1000hm zu verlieren. Obwohl die Oberschenkel schmerzten, riss ich super schnelle Kilometerzeiten ab und überholte ca. 20 Läufer. Technisch anspruchsvoll, verwinkelt und verwurzelt, mit Sprüngen über Steine und Durchqueren von Bachläufen gelang es mir, nach knapp 4h, 44km und 2500hm auf Platz 51 der WM ins Ziel zu laufen. Für mich ein riesiger Erfolg. Immerhin waren knapp 2000 Läufer am Start und auch das Elitefeld 400 Mann stark. Das treffen mit meinem Jugendheld Jonathan Wyatt, der 7-facher Berglauf Weltmeister war, rundete das Wahnsinns-Wochenende ab. Zu erwähnen bleibt noch die extrem starke Leistung von Florian Reichert, der als 9. der WM Wertung ins Ziel kam.

Official Trailer of Sky Running WC

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