Matterhorn Ultraks 2014

DSC_0026


Grenzerfahrung am Matterhorn


Zermatt, ein idyllisches Bergdorf mit jeder Menge Outdoor-Stores, kleinen Bars, großen Hotels und verrückten Naturfreaks. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich dort. Ein bisschen Glück hatte ich. Die Reise an den Toblerone-Berg wurde mir ermöglicht durch Peak Performance, die im Rahmen der Sky Runner World Series Sponsor des 2014er Matterhorn Ultraks waren. Ein halbes Jahr im Voraus schrieben sie einen Foto Contest aus, der dazu aufforderte den bisher spektakulärsten Trail Moment zu teilen. Wer in die Auswahl aufgenommen wurde, dem wurden drei Tage Abenteuer mit dem Profi Andre Jonsson und einem weitreichendem Team versprochen, inklusive Willkommens-Geschenk, Massagen, gemeinsamen Trainingseinheiten und Vollverpflegung in einem Hotel direkt an der Startlinie des Ultra Trails. Und das beste natürlich - ein Startplatz für die Strecke der Wahl. Doch bevor wir hier chronologisch weiter gehen, seht ihr das Bild, welches mich das Abenteuer gebracht hat. 

Corsica, Bonifacio
Corsica, Bonifacio

Zwischenzeitlich habe ich den Foto Contest komplett vergessen. Andere wirklich große Rennen standen an und das mehr als spontan. Ich startete in meiner Heimat beim Drei-Berge-Marathon aka. Rennsteig-Querung aka. Pummpälz-Marathon. Diesen Lauf konnte ich in einer guten Zeit gewinnen. Für mich war es ein schneller Trainingslauf, den ich aber sicherlich nicht gemacht hätte, wenn ich bis dahin gewusst hätte, dass ich zur Sky Running WM nach Chamonix fahre. Noch so ein Ding. Man hat ja selbst so eine Lebensliste - Dinge die man schaffen möchte, mal gemacht haben muss, Dinge die man will - naja und da steht eben auch drauf, ein mal an einer WM teilnehmen. Zack und da war es soweit. Ein wichtiger Punkt in meinem Sportlerleben. Nicht nur zur WM zu fahren und gegen die besten der Welt anzutreten, nein auch das erste Sky Race meiner Karriere in Angriff zu nehmen, ohne zu wissen was da auf mich zu kommt. Wie es dort gelaufen ist, erfahrt ihr hier. Was ich damit sagen will, ich hatte gar keine Zeit an das Matterhorn zu denken. Stattdessen versuchte ich das Erlebte im Training zu verarbeiten, vielleicht auch ansatzweise nachzuahmen.

Sky Running Training


Durch Foto Contest mit Andrè Jonsson zum Abendessen


Wochen nach der Sky WM bekam ich eine Mail. Glauben konnte ich es nicht - aber tatsächlich sollte ich im August 2014 zum Ultraks fahren und ich sollte doch bitte noch angeben, welche Strecke ich laufen möchte. Etwas blenden lassen habe ich mich von der Website. Natürlich galt der Ansatz: Wenn schon dann richtig, doch war mir nicht klar, dass mit 46K nicht 46km gemeint waren, sondern irgendwie 48km mit dazugehörigen 3600m Auf- und Abstieg. Die genaue Strecke inkl. Profil könnt ihr hier einsehen. Sieht doch ganz vernünftig aus, oder? Schnell meiner ganzen Familie bescheid gegeben, dass wir nach Zermatt müssen und gefühlt gleich angefangen noch härter zu trainieren. Bis dato bin ich ja maximal 44km mit 2500hm gelaufen. Hier waren es zwar nur 2km mehr, dafür aber auch nochmal über 1000hm plus. 

DSC06131

Und so startete die Reise nach Zermatt. Drei Tage vorher war ich mit meiner Familie in der Nähe von Saas Fee gelandet. Wir verbrachten die Tage zusammen, trainieren jetzt noch eh nur zum Spaß und um die Landschaft zu genießen. Das soziale Netzwerk war schon voll mit freudigen Kommentaren der anderen Gewinner. Und immer gespannter war ich, diese Bande endlich zu treffen und herauszufinden, wer alles genauso eine Macke hat wie ich. Bis zum Rennen waren es aber noch ein paar tolle Tage, die ich mit Wandern und fotografieren verbrachte. Auch wenn ich damals noch kein ASICS Frontrunner war, durfte ich doch trotzdem schon die damalige aktuelle Kollektion im Bild verewigen.

Trail Running in Saas Fee
Trail Running in Saas Fee

 

Und dann war es soweit. Ich traf ein im super-deluxe-hardcore-wunderschönen Hotel direkt am Start. Ehrlich gesagt hätte ich auch in einer rustikalen Hütte geschlafen, jedoch sorgte sich Peak Performance um unseren Erholungsstand. Im Zimmer traf ich kurze Zeit später auf einen ebenso bekloppten Vogel, wie ich selbst einer bin. Zusammen gingen wir ins nächste Hotel, wo wir auf englisch, skandinavisch, deutsch, polnisch usw. begrüßt wurden. 30 Läufer, mehr und weniger Profi trafen aufeinander. Zwei Dinge hatten wir jedoch alle gemeinsam: Bock auf Laufen und Hunger. AM Tisch mit Andrè, Profi im Ultra Running aus Norwegen stammend, hatten wir einen netten Plausch. Natürlich wurde auch hier schon seine Renntaktik besprochen. Er hatte große Ziele nach seiner Top10 Platzierung im letzten Jahr, die er später auch einhielt. Danach ging es gleich in eine Bar weiter und zu guter Letzt ins Bett mit traumhaftem Blick auf das Matterhorn.

DSC_9793

Der nächste Tag, 24h vor dem Start versprach gemeinsames Training und Foto Shootings. Das war ein Riesen-Spaß. Dort traf ich auch auf Jens Wackelhagen, ein völlig durchgeknallter Ultra-Ultra-Trail-Läufer. 48km macht er sonst zum Warm Up. Gemeinsam jagten wir die Berge runter und hoch, locker versteht sich und erkundeten die Gegend. 

Erkundung der Swiss-Trails


 

48km mit +/-3600hm sind kein Zuckerschlecken


 

Tag des Rennens. 5 Uhr aufgestanden. Die Klamotten und Utensilien lagen seit vorgestern bereit. Auch der iPod, dessen Ladung aber heute nicht funktionieren wollte. Angekotzt vom schlechten Vorzeichen, lies ich mich durch meinen Zimmergenossen wieder aufbauen beim gemeinsamen Frühstück. Das Matterhorn bekam langsam die ersten Sonnenstrahlen ab. Witzigerweise startete Kilian Jornet nach seinem letztjährigem Sieg nicht, verbrachte aber den Tag am Matterhorn beim Sky-was-auch-immer-er-da-so-macht. Erstmalig bin ich bei diesem Rennen ohne Musik am Start, dafür aber mit Leki Trail Poles. Es war noch kühl, doch die Stimmung war heiß.

Start 46K

Am Start wurde nicht lange gefackelt. Aus der dritten Reihe lief ich so mein Tempo an. Keine 5km später, der Trail begann, wurde ich erstmal schön nach hinten gereicht. Ich kam einfach mit meinen Stöcken noch nicht klar. Das sollte sich zum Glück später ändern. Wir machten auf den ersten 10km schon über 1000hm, bevor wir noch mal 800hm verloren und dann den langen Anstieg zum Gorner Grat in Angriff nahmen. Das sollte der höchste Punkt und für mich gleichzeitig die Härteprobe werden. Aufstieg auf über 3000m, alpines Gelände, ein Mix aus kalt und warm, wenige gute Vorerfahrungen mit der eigenen Verpflegung ließen etwas Spannung aufkommen. Trotzdem war es der beste Moment überhaupt. Meine Familie, samt meiner Freundin warteten am höchsten Punkt. Und Achtung: Hier unterscheidet sich Trail vom Straßen- und Bahnlauf. Man nimmt sich einfach die Zeit, wenn auch nur drei Sekunden, um der Freundin einen Kuss zu geben, die Aussicht zu genießen und Kraft für Kommendes zu tanken.


 

Wunschzeit verfehlt, aber viel dazu gelernt


 

Das Rennen verlief nicht nach meinen Vorstellungen. Man könnte auch sagen, nicht nach meinen Plan. Jetzt kann man aber auch sagen: Was kann man denn bei einer angepeilten Laufzeit von 5:30h alles planen? Die Antwort ist: Viel und Nichts! Manche Läufer planen die stündliche Energieaufnahme, manche anderen machen das vom Profil abhängig. Ich dagegen hatte lediglich Lust ca. 5:30h zu laufen. Am Ende waren es knapp über 6h. Ein Halbtages-Marsch. So lange am Stück war ich noch nie unterwegs. Und das zerrte an meinen Kräften. Nach 4h Laufzeit war der Akku kurzzeitig aus. Dazu fehlte mir meine Motivationshilfe, der iPod. Die Natur kann noch so schön sein - höre ich mich selbst atmen; und damit meine ich das lästige, geschaffte Keuchen; wirkt das eher demotivierend. Meine Garmin zeigte mir an, dass ich bereits über 3000hm geschafft hatte. Der Berg vor mir so anders aus. Das waren mindestens noch einmal 1000hm. Und das schlimmste, erst oben gab es Trinken. Das sollte auch die letzte Verpflegungsstation vorm dem Ziel gewesen sein. Eigentlich ok wenn ich meiner Uhr Glauben schenken wollte. Diese zeigte mir nämlich schon knapp 44km an. Also noch 4km bis ins Ziel. Das kann fast nur noch Downhill bedeuten - und da bin ich stark. Leider hatte sich die gute Garmin irgendwo in ihrer eigenen Welt gefangen, denn real war ich gerade mal bei KM 40-41. Es kamen also weitere 7-8km. Diese fühlten sich bis zum wirklich letzten Downhill wie 15km an. Vor mir und hinter mir waren nur vereinzelte Läufer, die alle ähnliche Probleme gehabt haben müssen. 

DSC_9785

Der letzte Downhill mit Ausblick. Ausblick über die rechte Schulter in Richtung Matterhorn. Gerade nach unten war Zermatt. Das Ziel. Die Familie. Die Dusche. Essen und Bett. Der Einlauf war sehr emotional. Viele Zuschauer, Fotografen, meine Freundin und Eltern, das Peak Performance Team... Alle und jeder schenkten jedem Einzelnen gebührend Aufmerksamkeit. War das ein hartes Rennen. Ich brauchte fast 2h um normal wieder aufrecht zu laufen, um überhaupt etwas essen zu können. 

Der Matterhorn Ultraks lehrte mich Vieles: Kontrolliere deinen iPod sorgfältig. Setze dich vor einem 5-6h Lauf auch mal mit Ernährung auseinander. Und wenn du schon vorhast 5-6h zu laufen, dann laufe auch im Training mal solange. Stöcke sind ok, aber auch diese lohnt es sich mal im Training zu testen. Sonnencreme bei Sonnenschein könnte Sinn machen. Nutze jede Verpflegungsstation, oder trainiere daheim wie ein Kamel. Und nimm den Massage-Gutschein ruhig an. 

Aber das Wichtigste: Genieße - trotz der ganzen Anstrengung - jede Sekunde! Wenn dich der Artikel nicht überzeugt hat, dann kann es vielleicht noch der offizielle Trailer tun. Viel Spaß.

Offizieller Trailer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *