Deutsche Meisterschaft Ultra Trail

Foto: Axel & Sabine Sperl (ArtSight)

Mit Startnummer 1 und als "Mehr-oder-weniger-Titelverteidiger" reiste ich ein Jahr nach meinem ersten richtigen Ultra Lauf (an den Kilometern gemessen) nach Witzenhausen-Kleinalmerode. Doch in diesem Jahr sollten die "richtigen" Titel auf neuer verlängerter Strecke auch neu vergeben werden. Vorweg möchte ich schon einmal einen großen Dank an ASICS und ASICSFrontrunner ausdrücken, die mir jetzt seit einem Jahr die Möglichkeit geben, meine Laufkarriere auf hohem Niveau weiterzuentwickeln. Weil es im letzten Jahr so gut für mich lief, bereitete ich diesen Lauf in gewohnter Manier vor - zumindest was das perfekte Equipment anging. Der ASICS Fuji Pro sollte mich tragen, während der gute Laufrucksack samt Trinkblase am Rücken klebte. Einige werden sicher lachen und behaupten, dass man keine eigene Verpflegung bei 65km mit 11 Verpflegungsstationen braucht - ich brauch`s doch! Am Ende gab es einen überragenden Florian Reichert, der die langen, schnellen 65km in unter 4:30h absolvierte und verdientermaßen den Titel des Deutschen Ultra Trail Meister erlief. Bis es aber soweit war, dass Sieger gekürt werden konnten, passierte so Einiges. Ich schreibe hier meine Sichtweise.

Der BiMa stand eigentlich nach letztem Jahr auch für dieses Jahr als längerer Lauf auf dem Saisonplan. Durch meine Ausbildung im Referendariat musste ich aber, bezüglich der Vorbereitung mit langen Läufen, leider kreativ werden. Während ich nach dem Transalpine Run im letzten Jahr ein ziemliches Hoch hatte, flachte es leider im Winter etwas ab. Erst seit Januar konnte ich mich wieder gezielter und auch mit richtig Spaß an strukturiertes Training heranwagen. Dennoch fehlte mir seitdem die Zeit für die wichtigen "Ultra-Blöcke". Während ich im letzten Jahr in Vorbereitung auf den BiMa mindestens zwei Tempodauerläufe bis zu 20km und einen weiteren längeren Lauf am Wochenende machte, trainierte ich jetzt erstens ohne Uhr, zweitens ohne Zeit und drittens - ganz neu und ungewohnt - im Fitness Studio. Mein längster und einziger Lauf in diesen Monaten war 32km lang. Den Rest krabbelte ich - dafür aber mit extrem viel Spaß - zwischen 10-20km am Tag herum. Höhenmeter kamen dabei nicht zu kurz, was sicherlich aber nicht unbedingt von Vorteil ist, wenn der BiMa auf 65km "nur" 1750hm hat. Das ist relativ flach und lässt schnelle Zeiten zu, was wiederum große Tempohärte bedeutet. So viel kann ich schon vorweg nehmen: Tempohärte fehlt mir momentan noch. Dafür habe ich mehr denn je Kraft, Stabi und Dehnübungen gemacht. Das hat sich auch ausgezahlt. Denn der Trail erfordert Stabilität. 

Foto: Axel & Sabine Sperl (ArtSight)

Jetzt will ich mich aber nicht beschweren, denn trotz der weniger intensiven Vorbereitung, mit einem mir ungewohnten Trainingskonzept, lief es gar nicht so schlecht. Immerhin waren es deutsche Meisterschaften. Und während viele der Top Starter bereits Erfahrungen mit weitaus längeren Distanzen vorweisen können, ist dies bei mir die längste am Stück gelaufene Strecke bisher. Mein Minimalziel hieß: durchkommen und am nächsten Tag noch stehen können. Ansonsten bin ich mit viel Freude an den Lauf heran gegangen und umso mehr, mal die ganzen Trail-Gesichter wieder zu treffen. Deshalb freute es mich auch, dass wir kurz nach dem Start in einer 4er Gruppe erstmal gequatscht haben. Neben Florian (Team Arc`teryx) unterhielt ich mich mit ASICS Team-Kollege Max Kirschbaum, der mit seinem gepflegten Anton Krupicka-Style richtig gut unterwegs ist; und mit Martin Schedler (Team Salomon Deutschland). Zusammen liefen wir bis ca. km 20, während Flo dann seinen eigenen Rhythmus lief und nach ihm die Karten neu gemischt wurden. Auf den ersten 10km gab es einen kurzen Trail, dann folgte eine lange Wald-Autobahn kontinuierlich bergauf und bei ca. km 23 folgte eine hammergeiler Trail. Ich konnte meinen Rhythmus auch finden, der sich aber bei km 45-55 nicht mehr gut anfühlte. Hier zeigte sich eben doch, dass die langen Kanten im Training deutlich zu kurz kamen. Mittlerweile war ich auf Platz 7 durchgerutscht, worüber ich mir aber erstmal keine Gedanken machte, denn die Gedanken waren stets bei der nächsten Verpflegungsstation. Grundsätzlich war auch die Marathondurchgangszeit in knapp über 3h völlig in Ordnung. Wenn man aber mit seinen eigenen Gels nicht klar kommt, fällt es schwer dem Körper die nötige Energie bereitzustellen. Deshalb freute ich mich auch endlich auf den  höchsten Punkt, den Bilstein. Ab da ging es lange bergab, was besonders schön für meine angeknockten Oberschenkel war. Auf den letzten 5km musste ich dann leider noch den erfahrenen Alpinisten Frank Kleinsorg ziehen lassen. Aber hier kam endlich meine Kraft zurück und ich konnte doch noch recht flott ins Ziel einlaufen. 

 

FAZIT: Der BiMa ist jedes Jahr ein toller Auftakt für mich so richtig in die Trail Saison einzusteigen. Auch wenn es ein echter Kraftakt ist, der einen danach erstmal zwei Wochen vom Laufen "befreit", ist es doch gut zu wissen, was der Körper im Stande ist zu leisten. Auf dieser Leistung kann ich gut aufbauen und diese bis zum Sommer entwickeln. Dann steht der Höhepunkt für die erste Jahreshälfte an, das Dolomites Sky Race als Teil der Sky Runner World Series, wo ich noch einen Rechnung aufgrund des verpatzten Starts offen habe. Alles wird darauf ausgerichtet sein und genau dafür passt das bisherige Training richtig gut in den Plan.   

Fotos: Axel & Sabine Sperl (ArtSight)

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4 Comments on “Deutsche Meisterschaft Ultra Trail

  1. Es war super mit Dir und den anderen Ultragrössen am Start zu stehen. Für Dein Trainingspensum erstaunlich gut, was als Ergebnis zu Buche steht.
    Viel Erfolg weiterhin und viele Grüße!

  2. Einen langen Lauf mit 32km hätte ich auch im Petto gehabt. Vielleicht hätte ich es doch wagen sollen. Aber ich fürchte, das wäre mächtig in die Hose gegangen. Dein Bericht und auch die vielen anderen Beiträge machen allerdings Lust auf mehr. Nächstes jahr muss ich fit sein, dann sind’s ja auch nur 57 km.

    „relativ flach“ – ich brech ab… 😀

    Gratuliere noch mal zum Lauf. Respekt.

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